Am 8. März: Raus auf die Straße!

Wir rufen auf, am 8. März gemeinsam zu demonstrieren. An diesem Datum kämpfen weltweit Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, non-binary und trans Personen für ihre Emanzipation und Freiheit.

Auch in Österreich ist das immer noch notwendig, wenngleich uns manche vormachen wollen, dass alle Frauen* und Menschen, die für solche gehalten werden, längst zufrieden sein könnten. Doch davon sind wir weit entfernt, zufrieden sind wir noch lange nicht!

Die folgenden Beispiele zeigen einige der unzähligen Missstände auf, mit denen Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, non-binary und trans Personen konfrontiert sind.

Sorgearbeit

Waschen, putzen, kochen. Kindererziehung, Altenpflege. Fast alles unsichtbare Hintergrundarbeit.

Nicht statt, sondern zusätzlich zur Lohnarbeit werden Frauen, Lesben und intergeschlechtliche, non-binary und trans Personen für Haus- und Sorgearbeit zuständig gemacht. Die sogenannte Doppelbelastung von Lohnarbeit plus Hausarbeit ist der Normalfall und Teil unserer patriarchalen Geschichte. Wir sind davon betroffen, wenn wir selbst lohnarbeiten gehen und danach unbezahlt weiterarbeiten.

Einige von uns verdienen genug Geld, um eine andere Person, meist Frau, Lesbe, intergeschlechtliche, non-binary oder trans Person und oft migrantisch, dafür zu bezahlen, ihnen die Hausarbeit abzunehmen. Damit wird das Geschlechterproblem unter anderem auf eine Klassenebene verschoben und bestimmt nicht gelöst.

Darum fordern wir eine Umverteilung der Haus- und Sorgearbeit, immer mit dem Ziel der Abschaffung des Kapitalismus.

Gewalt

Allein 2018 wurden in Österreich 34 Personen mit dem Eintrag ‚Frau‘ im Pass von Ex-Partnern und männlichen Familienmitgliedern getötet. Über 80% der Opfer von Gewalt im Nahumfeld sind Frauen*.

Das Wort ‚Feminizid‘ beschreibt die Tötung von Frauen* aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind oder als solche wahrgenommen werden. Auch in Österreich kommen Feminizide vor. Patriarchat geht einher mit Misogynie. Das oft herangezogene ‚Familiendrama‘ ist eine falsche Bezeichnung für Feminizide, sie macht das strukturelle Bestehen von Gewalt gegen Frauen und jene, die als solche wahrgenommen werden, unsichtbar. In verschiedenen Ländern vernetzen sich aktuell Frauen* unter der Kampagne ‚Ni Una Menos‘ (Keine weniger) oder im deutschsprachigen Raum ‚Keine mehr‘, um Feminizide zu thematisieren und ihre Ursachen zu bekämpfen. Es ist wichtig, sich auch in Österreich diesen Bestrebungen anzuschließen. Keine mehr!

Gewalttätig ist es auch, Menschen ihr Recht auf Selbstbestimmung abzuerkennen. Eines der Felder, auf denen diese Form von Gewalt ausgeübt wird, ist der gebärfähige Körper und das Recht von Schwangeren, sich für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. Wir stellen uns den Angriffen auf die aktuell gültige Fristenlösung in Österreich, welche Schwangerschaftsabbrüche zumindest teilweise straffrei stellt, entschieden entgegen. Wir fordern, dass alle ungewollt Schwangeren medizinisch kompetent beraten werden und eine Abtreibung unter professionellen Bedingungen durchführen lassen können – und das kostenfrei und leicht erreichbar.

Körpernormen und Körperoptimierung

Neben dem Schwangerschaftsabbruch ist die Vulva wohl das politisch vereinnahmteste am weiblichen* Körper. Vulva, Klitoris, Lust und Sexualität unterliegen dem Fremdbestimmtsein und Fremddefiniertsein wie kaum etwas Anderes. Diese Fremdbestimmung umfasst auch die optische Vorstellung der Vulva. Die Zahl der chirurgischen Eingriffe an Vulvalippen hat sich in den Jahren 2001 bis 2011 verfünffacht, von 2014 auf 2015 um 16% erhöht. Ebenso ist ein markanter Anstieg an Vaginalverengungen, Vulvastraffungen und Bleaching-Anwendungen an Vulva und Anus zu verzeichnen – und dies bereits im Teenager- und jungen Erwachsenenalter.

Eingriffe im Genitalbereich führen immer zu veränderten Empfindungen und können erhebliche Komplikationen, Schmerzen und Störungen nach sich ziehen. Ähnliches ist von Genitalbeschneidungen/-verstümmelungen bekannt. (Klitorales) Gewebe wird verletzt, entfernt und Nerven irreparabel zerstört.

Die bewusste Herbeiführung solcher umfangreicher Verletzungen basiert auf unrealistischen Bildern und Darstellungen des weiblichen* Genitals sowie verfälschten Vorstellungen von Sexualität – nämlich einer Vorstellung, die sich an der Lustbefriedigung anderer orientiert (so auch die Überzeugung, dass Penetration Teil von heterosexuellem Geschlechtsverkehr sein muss. Nein!) und zur Beschneidung des eigenen Lustpotentials führt.

Dennoch verfolgen so viele die optische Realisierung eines 12 Jahre alten Körpers am eigenen: Vulvalippenverkleinerungen, dünne Körper, rasierte Extremitäten und Intimbereiche. Zusätzlich boomt ein weiterer Körpertrend: Die Übertreibung vermeintlich weiblicher Formen durch chirurgische Eingriffe an Hintern, Brust und Lippen. Neben dem kindlichen Ideal reiht sich also die personifizierte Sexualisierung ein – alles fern der Realität und jedenfalls ignorant der eigenen individuellen (sexuellen) Wünsche und Zufriedenheit in jedem Lebensalter gegenüber.

Auch der Kapitalismus lebt von der Unerreichbarkeit dieser Ideale. Selbst, wenn wir sie erreichen wollten, wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Wir sind der Meinung, dass uns Schönheitsideale viel zu viel Zeit, Schmerzen und Nerven kosten. Abgesehen davon, dass uns solche Ideale oft in ein zwei-teiliges Geschlechtersystem einordnen wollen, passt ein großer Teil der Menschen nicht in Normen und/oder will nicht hineinpassen.

Wir wollen über unseren Körper und unsere je nachdem wie vorhandene Sexualität selbst bestimmen – ohne Druck von Schönheitsidealen und Körpernormen spüren zu müssen und in welcher Form auch immer!

Mehrfachdiskriminierung von be_hinderten Frauen, Lesben, inter-, non-binary- und trans Personen

Als Frauen* wahrgenommene be_hinderte Personen sind besonders von (sexualisierter) Gewalt betroffen. Gewalt begegnet ihnen auf persönlicher, struktureller und kultureller Ebene. Hier geht es vor allem um das Ausleben von patriarchaler Macht über das vermeintlich Weibliche. Einer weiblich* gelesenen Person, die nicht dem gesellschaftlichen Idealbild (lohnarbeits-, reproduktionsarbeitsfähig, verfügbar für die Lustbefriedigung und das Gebären von Kindern,…) entspricht, werden oft Geschlecht und Sexualität abgesprochen. Die Person wird so aber nicht geschlechtslos und damit diskriminierungsfrei, nein, sie wird zur Abweichung von der Norm erklärt. Es wird ihr das Recht auf ein gutes Leben verwehrt. Das muss sich ändern! Wir wollen ein gutes Leben für alle erreichen.

Das alles und noch mehr ist unter Schwarz-Blau für viele konkreter geworden. Organisationen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen, sind von massiven Budgetkürzungen betroffen. Jedoch sind es genau diese Organisationen, die einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Gewalt und zum Empowerment von Frauen, Lesben, intergeschlechtlichen, non-binary und trans Personen leisten.

Auch für Alleinerziehende ist Mehrfachbelastung alltäglich. Neben dem Mehr an Sorgearbeit sind sie mit finanzieller Unsicherheit konfrontiert, ein 12-Stunden-Tag ist schon wegen der Öffnungszeiten der Kindergärten unmöglich, die Konsequenz: Armut, Frauen* an den Herd.

Wir sehen: Frauen*rechte sind für die aktuelle Regierung nur dann interessant, wenn sie sich für rassistische Hetze instrumentalisieren lassen.

Gerade, weil so viele dieser Missstände unsichtbar sind und unsichtbar gemacht werden, ist es wichtig, (nicht nur) an diesem Tag laut und unübersehbar auf der Straße präsent zu sein. Kollektiver Protest kann eine gute Gelegenheit sein, sich weiter zu vernetzen. Denn wenn viele Menschen auf die gleichen Dinge wütend sind, kann sich auch was ändern.

Also – Frauen, Lesben, trans Menschen, intergeschlechtliche Personen, non-binary people: Raus auf die Straße!


Feuer und Flamme dem Patriarchat,
Kampf dem Sexismus im Alltag und im Staat!

* bedeutet, dass wir Geschlecht wie „Frau“ und „Mann“ als ideologische Konstruktion verstehen.

Treffpunkt:
Neue Mitte Lehen (vor der Stadtbibliothek)
17.30 Uhr – und um 18 Uhr gehen wir los!

Die Strecke führt mit mehreren Zwischenstopps über den Hauptbahnhof zum Mirabellplatz und ist knappe 3 Kilometer lang.

Die Demonstration ist nur offen für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, non-binary und trans Personen!
Sorry not sorry, cis dudes.

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